Landschaftshonig Österreich
Honig — die süße Essenz der Landschaft

Landschaftsimker*innen gehen neue Wege. Nicht Sortenhonige stehen im Vordergrund, sondern die Landschaft, das Terroir aus dem der Honig stammt. Diese Vielfalt verbindet uns, aber auch die Gemeinschaft und das Offensein für Neues und neue Mitglieder. Wir > Ich

Hildegard Burgstaller

Höhen und Tiefen — Es ist die Freude, wenn im zeitigen Frühjahr die Sonne schon ein wenig wärmt, sich die erste Biene neugierig am Flugloch zeigt. Es ist die Sorge und die Trauer, wenn sich beim Nachbarvolk nichts rührt. Die Emsigkeit der Bienen, das gleichmäßige Summen, Brummen, ihr Duft, das ist für mich der Inbegriff von Sommer. Es gibt ein Gefühl für Sinn, Ruhe, Kraft, ein Spüren von Reichtum und Dankbarkeit.
Hin und wieder die Möglichkeit zu haben, die Königin zu schauen, das berührt das Herz.
Es ist Trauer, ein Zweifeln, Verzweifeln, Mitfühlen, Ohnmacht, ein Gefühl des Versagens beim Anblick von erkrankten Bienen, leergeflogenen Bienenbehausungen. Imkerin sein ist kein Leichtes. Der Umgang mit dem Tier Varroa ist nach wie vor eine große Herausforderung. Und wie geht es den Wildbienen, den Verwandten der Honigbiene? Ihr Artenschwund ist längst Realität. Sie haben keine Lobby und keine gebührende Öffentlichkeit. Wenn Nahrung knapp ist, ist die Konkurrenz zwischen Honigbiene und Wildbiene anzunehmen. Ein Nachdenken, ein Dialog darüber ist angesagt.
Das sind Fragen, viel mehr Fragen als Antworten. Und doch ist es schön. Die Freude über das Interesse der Kinder an der Biene und dem Handwerk der Imkerei. Die öffentliche Aufmerksamkeit, die zunehmende Wertschätzung von Honig. Eingebunden sein in den Kreislauf des Jahres, der Witterung, den Veränderungen ist ein Privileg. Ein Auge, ein Ohr, eine Sprache bekommen für mein Umfeld, das lehrt mich der Umgang mit diesem kleinen Tier. Eine faszinierende Landschaft entdecken und mich fragen, was würden meine Bienen dazu sagen.
Es ist schön!

Kontakt: DI Hildegard Burgstaller, www.landschaftshonig.at/werkraum

Johannes Gruber

»Imkerei ist Landwirtschaft ohne nötigen Grundbesitz, beschränkt auf die Abschöpfung der Zinsen, des Überflusses, den die Natur uns schenkt, ohne Eingriff in Ressourcen, ohne Raub an Substanz.« Der steirische Wanderimker Johannes Gruber, zugleich Obmann des Vereins Landschaftshonig, erzeugt Lagen- und Landschaftshonige aus unterschiedlichen Klimazonen der Steiermark und des Südburgenlands. Nicht der eindimensionale Geschmack einer Honigsorte steht im Vordergrund, sondern der einzigartige, unverwechselbare und komplexe Geschmack, der sich aus der Gesamtheit der Trachtpflanzen einer Landschaft zusammensetzt. Landschaftshonige sind geschmacklich erfahrbare Momentaufnahmen, sind Portraits von Honiglandschaften zu einem genau definierten Zeitpunkt.

Publikation:
Johannes Gruber, Nina Wessely, Wolfgang Hummer
Die Reise des Wanderimkers
Löwenzahn Verlag, ISBN 978-3-7066-2611-8
264 Seiten, gebunden, auch als Ebook erhältlich
Thema des Buches sind die Honiglandschaften der Ostalpen, die wichtigsten Trachtpflanzen und die sensorischen Eigenschaften der einzelnen Sortenhonige. Daneben wird viel Wissenswertes für Honigliebhaber aber auch für Imker geboten.

Kontakt: Johannes Gruber, e-mail

Josua Oberlerchner

»Zu wissen, dass das, was ich jeden Morgen auf mein Frühstücksbrot streiche, in einer Weise gewonnen wurde, die meinen Bienen und der Umwelt gerecht wird, ist der reiche Lohn für die investierte Arbeit.« Schönbrunner Blütenvielfalt bringt Josua Oberlechner ins Glas. Seine Bienenvölker stehen auf historischem Boden – zwischen Gloriette, Gartenbauschule und Maria-Theresien-Kaserne. »Die Blütenvielfalt, die sich durch die Kulturlandschaft des Schönbrunner Parks und durch das Naturschutz­gebiet ergibt, ist gewaltig – und das mitten in der Stadt« so der Stadtimker, der am liebsten per Fahrrad zu seinen Bienen kommt.

Kontakt: Josua Oberlerchner, www.schoenbrunnerhonig.at

Landschaft
Land

Fausto Delegà

»Die Honigbiene ist eine Schriftstellerin, der Honig ist ihr Buch.«
Fausto Delegà aus Mantova, Italien – „mielosofo" – Honigologe, Honigosoph und honigophil – verbreitet als Journalist und Spezialist für Lebensmitteltradition seit 2004 die Idee des Landschaftshonigs – „terroir dei mieli”. Er war Initiator zweier Projekte, die auf seinen Recherchen über die Geschichte des Honigs in Mantova, Lombardei basierten: 2009 „I mieli del Po“ – „Honige des Po“ – Wiederaufnahme der Praxis der Imker zu Zeiten der Römer, Bienen auf Holzschiffen auf dem Po zu halten. 2008 „Mieli delle Foreste Planiziali Padane“ – Waldhonig aus einem der botanisch interessantesten Wälder Norditaliens, dem Bosco Parco delle Bertone.
Fausto Delegà ist Mitglied des Redaktionsteams des italienischen Online-Magazins mit Schwerpunkt Ernährung und Lebensmittel www.cavoloverde.it.
Seit 2013 lebt Fausto Delegà in Wien, seine Bienen stehen im Lainzer Tiergarten und im Prater.
www.cavoloverde.it

Hemma Köglberger

Mein Bienenstand in Haslau an der Donau liegt am Terrassen-Abbruch mit Blick über die Au-Wildnis des Nationalpark Donauauen. Das Dorf, die Felder, Wiesen, Obstgärten, Robinienwäldchen und Trockenrasen befinden sich auf der Schotterterrasse, die eine Urdonau gebildet hat. Die heutige Donau und ihre Doauauen liegen etwa 30 Meter tiefer, durch einen steilen Abhang getrennt. So stehen den Bienen zwei Welten zur Verfügung: Die weitläufigen Donauauen mit den Frühlingsblühern Hasel, Bärlauch, Kirsche, Ahorn und dem Hangwald mit den Linden sowie das Dorfgebiet und die Feldflur. Diese Vielfalt findet sich auch im Honig wieder, der mit reichhaltigen Aromen immer wieder aufs Neue erfreut.

Kontakt: HemmaKöglberger, e-mail

Johannes Oberhuber

Bienen sind unsere Lieblingstiere. Sie sind solidarisch, stark, kommunikativ und jede trägt ihren Teil zum großen Ganzen bei. Wir haben uns dazu entschieden, Bienen so gut wie möglich zu schützen und ihnen einen Lebensraum in der Stadt zu ermöglichen. Bienen zu hüten ist nicht immer einfach, aber ein jeder Versuch, ihren Lebensraum aufrecht zu halten, ist es wert. Jedes Honigbrot erinnert uns daran.

Eine verantwortungsvolle Imkerei bedeutet für uns Artenschutz, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Genuss. Marlene Haider und Johannes Oberhuber

Kontakt: Johannes Oberhuber, e-mail

Landschaft
Land

Josef Mayr

An einem kalten April in meinen jungen Jahren hat mir ein Imker „die Bienen“ gezeigt. Durch das Glas eines Bienenstockes konnte ich „sie“ sehen. Er nahm meine Hand und hat sie auf das durch Bienenwärme aufgeheizte Glas gelegt. Die Wärme tat so unglaublich gut. Seitdem hat mich das „Wunder Biene“ nicht mehr losgelassen.

Der Großteil meiner Bienenstöcke steht im Waldviertel, abseits von großen Häusern, stark befahrenen Straßen, in guter Umgebung, mit viel Sonne, guter Luft und ganz viel „Landschaft“. Hier fühlen sich die Bienen so richtig wohl. Da tragen sie im Frühjahr Nektar von Apfel-, Kirsche-, Löwenzahn-, Raps- und vielen anderen Blüten ein. Der Honig daraus wird zu feinen Cremehonig gerührt. Im Sommer tragen sie Nektar von Wiesenblumen, Himbeeren, Weiß- und Rotklee und von Waldbäumen den süßen Honigtau nach Hause. Dieser „Waldviertler Honig“ ist je nachdem, ob er von Blüten oder Waldbäumen kommt, entweder ein würziger Sommerblütenhonig oder der begehrte Waldhonig.

Auf meinem Bienenstand am Stadtrand von Wien, im 22. Bezirk, tragen die Bienen Nektar von Akazie, Linde und den Blüten von den vielen Gartenblumen in der Umgebung ein. Daraus machen sie den würzigen Stadthonig.
Die Bienen sind ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Darum wünsche ich mir, dass die für die Bienen so wichtige Natur viel mehr geschützt und gepflegt wird. Dann können sich die Bienen überall richtig wohl fühlen.

Kontakt: Imkermeister, Dr. Josef Mayr, e-mail

Agathe und Karl Lingenhel

Wir setzen nachhaltige Impulse. Für die kommenden Generationen soll die biologische Bewirtschaftung unserer Böden selbstverständlich sein – diese Vision treibt uns an und gibt unserer Arbeit Sinn.
— BIO aus Liebe, Verantwortung und Tradition — Was gibt es Schöneres als die Natur? Sie wird zur Schule, der Stall zum Klassenzimmer, das Heu zum Spielplatz und unsere Lehrer sind die Tiere und Pflanzen. Schauen, Hören, Riechen, Schmecken, Angreifen, Handeln – wer mit allen Sinnen erlebt, begreift Zusammenhänge und den Wert heimischer Lebensmittel.
Unsere Bienen sind uns wichtig und gehören zu unserer Kreislaufwirtschaft und unserer Philosophie. Den Umgang mit unseren Bienen so naturnah wie möglich zu halten, ist für uns selbstverständlich. Es ist schön zu sehen, wenn die Tage wieder länger werden und sie sich im Garten tummeln und wertvolle Arbeit ganz selbstverständlich leisten.
— Was wir heute tun, hat Einfluss auf das Morgen — Deshalb ist es uns besonders wichtig, junge Menschen für die biologische Landwirtschaft zu sensibilisieren. Denn nur wer weiß, wie Lebensmittel produziert werden und welchen Unterschied die Produktionsweise auf Umwelt, Klima, Tiere und Menschen hat, kann als aufgeklärter Konsument bewusste Kaufentscheidungen treffen. Aus diesem Grund bieten wir verschiedene Schul- und Kindergartenangebote.
— Ab Hof — Im Selbstbedienungs-Bioladen sind hochwertige, biologische und auch unverpackte Lebensmittel erhältlich.

Kontakt: Agathe und Karl Lingenhel, www.biohof-lingenhel.at

Thomas Murlasits

Ich betreibe in Südburgenland eine biozertifizierte Nebenerwerbsimkerei mit 60 Bienenvölkern und bewirtschafte knapp 1,7 ha Streuobstwiesen.
Besonders der Erhalt der alten und selten gewordenen Obstsorten hat es mir angetan, und so veredle ich das Obst meiner alten Obstbäume zu Edelbränden und Likören. Gebrannt wird mit einem einfachen Brennkessel nach alter Tradition.
In den letzten Jahren habe ich den Bestand an Bäumen mit besonders seltenen Sorten aufgestockt. In meinen Streuobstwiesen stehen: Bohnapfel, Gewürzluiken, Perlrenette, Roter Herbstkalvil, Kronprinz Rudolf, Ilzer Weinler, London Pepping, Steirische Schafnase, Welschbrunner, Maschansker, und einige nicht definierbare Sorten. Alte Mostbirnbäume stehen neben Quitten, Mispeln, Speierling, Hauszwetschke, Kriecherl, Maulbeerbäumen, Walnussbäumen und uralten Edelkastanienbäumen.
Dank der Bienen ist immer für eine gute Bestäubung und somit reiche Ernte gesorgt. Mit tatkräftiger Unterstützung meiner Tochter Katharina wird aus dem Obst und dem Honig feiner Edelbrand, Likör und andere Produkte hergestellt. Der Honig der Bienen welche im Obstgarten stehen, wird unter der Streuobstmarke vertrieben.
Ein Teil meiner Bienen stehen in den Aulandschaften der Lafnitz. Die Lafnitz ist auf weiten Teilen nicht reguliert und somit weitgehend naturbelassen. Das sind hervorragende Bedingungen für meine Bienen.
Zur Imkerei fand ich durch meinen Freund, Mentor und Imkerpaten Johannes Gruber. Er hat in mir die Liebe zur Biene und der Imkerei geweckt. Seit vielen Jahren arbeiten wir zusammen und helfen uns in Spitzenarbeitszeiten (Bienenwanderung, Honigernte) aus.

Kontakt: Thomas Murlasits, e-mail

Walter Preyer

Meine kleinen fliegenden Mitarbeiterinnen leben am Ortsrand von Umhausen im Ötztal, in einer Gegend, die unzählige Menschen als Feriengebiet schätzen. Im Hochsommer wandere ich mit meinen Bienenstöcken ins Horlachtal in den Stubaier Alpen und auf die Angerer Alm in Hochgurgl. Die Berghänge leuchten rot, mit blühenden Almrosenteppichen bedeckt. Die Bienen sammeln den Nektar in ca. 2000 Meter über Meeresniveau. Vor der Übersiedlung in die Berge setzen wir neue Magazine mit leeren Waben auf die Bienenstöcke. Damit können wir garantieren, dass der hochwertige Alpenrosenhonig eingelagert wird ohne Vermischung mit Honigsorten aus tiefergelegenen Gebieten.

Kontakt: Dipl.-Ing. Walter Preyer, e-mail

Landschaft
Land

Ingeborg Hirsch

Imkern mit Aussicht — Manchmal, so habe ich das Gefühl, würden die Bienen, wenn sie könnten, am liebsten pfeifen, einfach, weil das Leben dort oben so schön ist. Meine Bienen stehen in einem biologisch bewirtschafteten Weingarten mit einem tollen Blick über Wien. Ich mag diese Aussicht und auch die Bienen fühlen sich dort sehr wohl und produzieren einen vollmundigen Blütenhonig. Sie sammeln Nektar von vielen unterschiedlichen Blumen und Kräutern, die in den Weinzeilen wachsen. Für mich ist es eine große Freude, ihnen zuzuschauen, wenn sie mit ihren dicken gelben Pollenhosen in den Bienenstock einfliegen. Ich bin Hobbyimkerin und produziere nur eine kleine Menge Honig hoher Qualität, denn auch die Bienen sollen einen guten Teil behalten.

Kontakt: Ingeborg Hirsch, e-mail